KIJUMAZU

 

Unter dem Namen KIJUMAZU, „Kinder und Jugend – Macht – Zukunft“, besteht ein unabhängiges und demokratisches Forum in Gams. Die Idee dazu stammt von Jugendlichen aus den Projekttagen 2019 – 2023 der Oberstufe. Die Schulsozialarbeit hat in Zusammenarbeit mit der Offenen Jugendarbeit in diesen Jahren jeweils ein Projekt angeboten. Im Mittelpunkt standen vor allem Kinderrechte (die Rechte für alle unter 18-Jährigen) und Partizipation (Mitsprache, Mitbestimmung, Mitwirkung). Dabei war der Wunsch der Jugendlichen, etwas zu schaffen, damit Kinder und Jugendliche ihre Themen, Ideen und Bedürfnisse einbringen können und dadurch die Möglichkeit bekommen Gams aktiv mitzugestalten. 


Kinder und Jugendliche sind der Schlüssel für eine nachhaltige Zukunft jeder Gesellschaft, weil sie die Erwachsenen von morgen sind.
Wenn Kinder und Jugendliche aktiv an der Gestaltung ihrer Umgebung teilhaben, wenn sie bei Entscheidungen, die sie und ihr Umfeld betreffen, mitsprechen, mitbestimmen und mitwirken können, dann tragen sie zur Stärkung der Gemeinde und den demokratischen Strukturen bei. Kinder und Jugendliche beginnen sich mit ihrer Umgebung stärker zu binden und zu identifizieren. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sie diese positiven Erlebnisse später als engagierte Erwachsene ihrer Gemeinde zurückgeben.

Unsere Gesellschaft braucht Menschen, die mitdenken können und mitgestalten wollen. Vor dem Hintergrund multipler Krisen in Europa und darüber hinaus erscheinen das Lehren und Lernen über Demokratie und eine aktive Bürgerschaft wichtiger denn je zuvor. Am Ende gilt: Demokratien brauchen Demokrat:innen. Moderne Gesellschaften sind komplex und vielfältig. In ihnen findet sich ein breites Spektrum unterschiedlicher Weltbilder, Meinungen und Interessen. Interessenskonflikte zwischen Einzelnen und zwischen Gruppen sind unausweichlich und demokratische Entscheidungsprozesse zielen darauf ab, die widerstreitenden Weltbilder zueinander zu bringen und kollektive Entscheidungen zu ermöglichen. 

 

Demokratie

Der Begriff Demokratie stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Volk (demos) und Macht (kratos). Dementsprechend wird Demokratie als Macht des Volkes definiert. Ein demokratischer Staat baut auf Bürger:innen, welche Verantwortung für ihr Handeln übernehmen, sich aktiv einsetzten, sich mit politischen Belangen kritisch auseinandersetzen und den Grundgedanken der Demokratie leben.
Wenn jedoch die Demokratie weiterhin Erfolg haben soll, dann müssen Kinder und Jugendliche die Demokratie als Lebensweise schätzen lernen. Dies geschieht nur durch erlebbare Demokratie in einem demokratischen Umfeld. So können sie die notwendigen Fähigkeiten entwickeln, welche es für die Gestaltung einer Demokratie benötigt. Dazu gehört auch die Partizipation von Kindern und Jugendlichen. 

Ziele

 
KIJUMAZU ist ein unabhängiges, demokratisches Forum für Kinder und Jugendliche aus Gams. KIJUMAZU hat unter anderem zum Ziel:

  • dass Kinder und Jugendliche die Möglichkeit zur Mitsprache, Mitbestimmung und Mitwirkung bei Themen, welche sie betreffen, erhalten 
  • ein Sprachrohr für die Themen, Ideen und Interessen von Kindern und Jugendlichen zu sein
  • Themen, Ideen und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen zu erfassen, zu sammeln, wirkungsvoll zu vernetzen und zu vertreten
  • dass Kinder und Jugendliche Demokratie und Partizipation erleben und lernen ihre Lebenswelt und ihre Zukunft aktiv mitzugestalten
  • dass Kinder und Jugendliche in diesem Rahmen erfahren, dass sie ein wichtiger Teil in der Gemeinde sind, ihr Mitdenken und Sorge tragen zu unserer Gemeinschaft gefragt ist und zu guten, sichtbaren Ergebnissen führen kann
  • eine höchstmögliche Partizipationsstufe zu erreichen


Lernfeld

 

Partizipation, wie sie in KIJUMAZU stattfindet, stärkt verschiedene Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen und ist somit eine Bereicherung für alle Teilnehmenden sowie für Familie, Freizeit, Schule und Gemeinde. Die folgende Aufzählung ist nicht abschliessend: 

 

  • Selbst- und Sozialkompetenzen 
  • Wissen über Rechte und Pflichten 
  • Zuverlässigkeit und Verantwortungsübernahme 
  • Altersdurchmischte Zusammenarbeit und Gemeinschaftsgefühl 
  • Projektarbeit und Realisierung 
  • Kooperations- und Kompromissfähigkeit 
  • Demokratie und partizipative Prozesse werden gelebt 
  • Reflexionsfähigkeit 
  • Identifikation mit dem Sozialraum
  • Präventive und nachhaltige Entwicklung in der Gemeinde 
  • Prozessartiges und vernetztes Denken
  • Klare, transparente und nachvollziehbare Kommunikation 
  • Diskussions- und Entscheidungsprozesse
  • Gesprächs- und Konfliktfähigkeit
  • Freude an Herausforderungen 
  • Konstruktive Kritik 
  • Fehlerfreundlichkeit 

Begleitung

 

KIJUMAZU wird durch die SSA und OJA beraten, begleitet und unterstützt. Dabei steht das Prinzip „so wenig wie möglich, so viel wie nötig“ im Fokus. SSA und OJA setzten bei Bedarf konstruktive Impulse und bringen ihre Methoden- und Verfahrensvorschläge ein. Ebenfalls können die SSA und OJA als Bindeglied zwischen KIJUMAZU und den verschiedenen Stellen tätig werden. Die SSA und OJA haben immer eine Schutzfunktion: 
sie intervenieren, wenn demokratische Grundprinzipien verletzt werden. 

Kinderrechte

Kinderrechte sind erweiterte Menschenrechte für Kinder und Jugendliche. Die Konvention über die Rechte des Kindes ist ein Abkommen der Vereinten Nationen (UN). Dabei haben alle Staaten der Welt das Abkommen ratifiziert, ausser den USA und Somalia. Die Schweiz trat der Konvention am 24. Februar 1997 bei. In 54 Artikeln sind die Rechte für junge Menschen im Alter von 0 bis 18 Jahren festgehalten. Im Zentrum stehen der Schutz, die Förderung und das Teilhaben der Kinder und Jugendlichen in der Gesellschaft. Die Konvention ist ein Teil der schweizerischen Rechtsordnung. Dies bedeutet, dass der Staat sich verpflichtet, diese Kinderrechte umzusetzen, und zwar dort, wo die Kinder und Jugendlichen leben - in der Familie, in der Freizeit, in der Schule und in der Gemeinde. Um Rechte einfordern zu können, müssen Kinder und Jugendliche diese kennen. (vgl. Kinderrechtskonvention 1989).

Partizipation

 
Der Begriff Partizipation ist lateinisch und bedeutet so viel wie Mitsprache, Mitbestimmung oder Mitwirkung. Das Recht von Kindern und Jugendlichen auf Partizipation ist eines der Leitprinzipien und eine der fortschrittlichsten Innovationen des Übereinkommens über die Rechte des Kindes. In der Kinderrechtskonvention wird das Recht von Kindern und Jugendlichen auf Partizipation in mehreren Artikeln festgehalten.
Partizipation ist die Basis einer funktionierenden Demokratie. Es ist die Aufgabe unserer Gesellschaft und somit der Gemeinde, Kinder und Jugendliche auf die Zukunft in einem demokratischen Staat vorzubereiten. Damit Kinder und Jugendliche die notwendigen Fähigkeiten entwickeln können, müssen sie Partizipation leben können. Aus diesem Grund sind Kinder und Jugendliche in sämtliche Prozesse einzubeziehen, welche ihr Umfeld betreffen. Partizipation ist dadurch für sie nicht nur ein abstrakter Begriff, sondern wird zu einer Lebenseinstellung. 
Für Kinder und Jugendliche, die sich 18 Jahre lang nicht an der Gestaltung ihres Lebensraums beteiligen, wird es in der heutigen Zeit immer schwieriger, plötzlich verantwortungsvoll demokratische Rechte und Pflichten wahrzunehmen. Es ist eine Illusion zu glauben, dass sich Menschen mit 18 Jahren plötzlich politisch interessieren und betätigen, wenn diesbezüglich Erfahrungen fehlen. Dieser Zustand ist für eine lebendige Demokratie gefährlich. Darum müssen Kinder und Jugendliche aus demokratischen Gründen ein Hauptziel unserer Politik sein. Wenn das Gemeinwesen mündige und demokratische Menschen bilden will, kann sie das nicht nur als Staatskundefach belehrend vermitteln. Demokratie lässt sich nur im Umgang mit der gelebten Realität erfahren. Partizipation heisst, Entscheidungen, die das eigene Leben und das Leben der Gemeinschaft betreffen, zu teilen und gemeinsam Lösungen zu finden. 

Im Folgenden werden wichtige Punkte bezüglich der Leitgedanken und Grundsätze der  Partizipation aufgezeigt. 
Die Aufzählung ist nicht abschliessend:

  • Erwachsene begegnen Kinder und Jugendlichen auf Augenhöhe
  • Beziehungen von Erwachsenen zu Kindern und Jugendlichen basieren auf demokratischen Partnerschaften anstatt auf Macht und Kontrolle
  • Erfolgreiche Partizipation ist nicht auf ein einzelnes Projekt beschränkt, sondern ein fortdauernder Prozess und ein Beitrag zum Aufbau einer Kultur der Partizipation im gesamten Umfeld der Kinder und Jugendlichen
  • Alle, die mit und für Kinder und Jugendliche arbeiten, sollten die Grundprinzipien der Partizipation von Kindern und Jugendlichen verinnerlichen und lernen, sie zu ermöglichen, zu unterstützen und zu fördern 
  • Es gibt geeignete Formen der Partizipation für jedes Alter
  • Partizipation ist auf Strukturen angewiesen, die diese zulassen, ermöglichen, fördern und im optimalen Falle rechtlich verankern
  • Auch der Weg kann das Ziel sein – der Prozess ist ein wichtiger Teil der Partizipation
  • Kinder und Jugendliche sollen in einem möglichst hohen Mass mitwirken können
  • Partizipation ist freiwillig und die Kinder und Jugendlichen dürfen in jeder Phase aussteigen dürfen
  • Die Kinder und Jugendlichen sollten bestenfalls Initiativen anstossen oder so früh wie möglich in alle Initiativen einbezogen werden 
  • Kinder und Jugendliche haben Anspruch darauf, dass ihre Meinungen und ihre Erfahrungen respektiert werden
  • Ressourcen (Zeit, Finanzen, Kompetenzen, …), Verbindlichkeit und Transparenz sicherstellen 
  • Kinder und Jugendliche sind Expert:innen ihrer eigenen Sachen
  • Die eigenen Bedürfnisse erkennen und kommunizieren
  • Verantwortung für sich selbst und die Gemeinschaft übernehmen
  • Selbstwirksamkeit erleben
  • Sich aktiv einsetzen für Rechte


 

Partizipationsstufen

Der Begriff Partizipation ist nicht einfach zu fassen, deshalb werden im folgenden Modell die verschiedenen Stufen aufgezeigt. Mit zunehmender Stufe nimmt das selbstbestimmte Handeln zu und die Verwirklichung der Mitsprache, Mitbestimmung und Mitwirkung wird ermöglicht. Ebenfalls nimmt das fremdbestimmte Handeln ab. Generell ist eine hohe Stufe der Partizipation mit Kindern und Jugendlichen anzustreben. Ab der Stufe „Mitwirkung“ kann von Partizipation gesprochen werden. Deshalb werden im Weiteren die unteren Stufen nicht weiter erläutert, weil es sich dabei um keine Partizipation handelt. 

 


Stufe 6

Mitwirkung ohne Entscheidung

Die Kinder und Jugendlichen haben ein Mitwirkungsrecht.

Die Entscheidungstragenden halten Rücksprache und verhandeln mit den Kindern und Jugendlichen.

Die Entscheidung liegt bei den Entscheidungstragenden.

Beispiel: Kinder und Jugendliche können durch indirekte Einflussnahme mit Hilfe von Interviews und Fragebögen bei der kommunalen Entwicklung mitwirken. Sie haben jedoch keine Entscheidungskraft.

 

Stufe 7

Mitbestimmung, gemeinsame Entscheidung

Die Kinder und Jugendlichen haben ein Beteiligungsrecht im Entscheidungsprozess.

Kinder und Jugendliche werden bei Entscheidungen einbezogen. Die Idee des Projektes kommt von Erwachsenen, alle Entscheidungen werden aber gemeinsam und demokratisch mit den Kindern und Jugendlichen getroffen.

Beispiel: Projekte kommunaler Entwicklung mit verankerten Beteiligungsrechten.

 

Stufe 8

Selbstbestimmung

Alle wesentlichen Aspekte werden von den Kindern und Jugendlichen selbst bestimmt.

Partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten steht im Vordergrund.

Beispiel: Ein Projekt wird von den Kindern und Jugendlichen selbst initiiert. Diese Eigeninitiative wird von engagierten Erwachsenen begleitet, beraten und unterstützt. Die Entscheidungen treffen die Kinder und Jugendlichen selbst, Erwachsene werden gegebenenfalls beteiligt und tragen die Entscheidungen mit.

 

Stufe 9 

Selbstverwaltung

Die Verantwortung liegt komplett in den Händen der Kinder und Jugendlichen.

Kinder und Jugendlichen haben völlige Entscheidungsfreiheit über das Projekt oder Angebot und handeln aus eigener Motivation. Entscheidungen werden den Erwachsenen lediglich mitgeteilt. 

Beispiel: Jugendverband

(vgl. Kinder und Jugendliche in der Projektarbeit, 2020).